Positionen im Fußball: Sechser, Achter, Zehner und was die Nummern wirklich bedeuten
Kaum ein Fußballland redet so selbstverständlich in Zahlen wie Deutschland. "Der spielt auf der Sechs." "Uns fehlt ein Zehner." "Doppelsechs oder nicht?" Niemand fragt nach, welches Trikot gemeint ist.
Dahinter steckt ein Nummernsystem, das älter ist als jeder heutige Trainer. Hier steht, was die elf Positionen tun, wie die Nummern zu ihren Namen kamen und warum die Sechs und die Zehn überlebt haben, während der Libero verschwand.
Die 11 Positionen auf einen Blick
Mit der im deutschsprachigen Raum gängigen Nummerierung und einem 4-3-3 als Grundlage:
| Nr. | Position | Aufgabe |
|---|---|---|
| 1 | Torwart | Einziger Spieler mit Händen, nur im eigenen Strafraum |
| 2 | Rechter Außenverteidiger | Deckt die rechte Seite, schiebt nach vorn |
| 3 | Linker Außenverteidiger | Dasselbe links |
| 4 | Innenverteidiger | Stellt den Mittelstürmer |
| 5 | Innenverteidiger | Sichert ab, gewinnt Kopfbälle |
| 6 | Sechser | Schützt die Abwehr, eröffnet das Spiel |
| 7 | Rechter Flügel | Kommt über außen, geht ins Eins gegen Eins |
| 8 | Achter | Pendelt zwischen den Strafräumen |
| 9 | Mittelstürmer | Spielt auf der Schulter des letzten Verteidigers, trifft |
| 10 | Zehner | Spielmacher hinter den Stürmern |
| 11 | Linker Flügel | Dasselbe links |
Achte auf die Blickrichtung. Der Torwart steht oben, das Team spielt also nach unten. Deshalb steht der rechte Außenverteidiger links im Bild.
Eine feste Regel ist das nicht. Nach der spanischen Wikipedia tragen im englischen 4-4-2 die Innenverteidiger meist die 5 und die 6, während die 4 der defensive Mittelfeldspieler ist. Auch in Deutschland stand die 4 früher für den Vorstopper und die 5 für den Libero.
Abwehr: Torwart, Außen- und Innenverteidiger
Torwart. Heute gehört auch das Fußballspielen dazu. Wer aus der eigenen Hälfte flach aufbauen will, braucht einen Keeper, der den ersten Pass spielen kann.
Außenverteidiger. Sie decken die Flügel und schieben nach vorn, sobald das eigene Team den Ball hat. Bei einer Dreierkette übernehmen Wingbacks die ganze Seite. In einem 3-5-2 oder 5-3-2 hängt vieles an ihnen: Fehlt die Breite außen, arbeitet das System nur zur Hälfte.
Innenverteidiger. Sie halten die Mitte zu, gewinnen Kopfbälle, fangen Pässe ab. Bei Viererkette stehen zwei nebeneinander, bei Dreierkette drei.
Libero und Vorstopper. Zwei Rollen, die du heute fast nur noch aus Erzählungen kennst. Der Libero hatte keinen direkten Gegenspieler, spielte hinter den anderen Verteidigern und räumte auf. Der Vorstopper war der Mann davor, der den Mittelstürmer persönlich nahm. In Deutschland war die 5 jahrzehntelang die Nummer des Liberos und die 4 die des Vorstoppers. Mit der Raumdeckung wurden aus beiden die zwei Innenverteidiger von heute.
Mittelfeld: Sechser, Achter, Zehner
Hier spricht Deutschland seine eigene Sprache.
Sechser. Der defensive Mittelfeldspieler direkt vor der Abwehr. Er erobert Bälle, stört den gegnerischen Aufbau und eröffnet das Spiel. Spielen zwei diese Rolle nebeneinander, heißt das Doppelsechs. Meist bleibt dann einer vor den Innenverteidigern stehen und der andere geht mit nach vorn.
Achter. Der zentrale Mittelfeldspieler zwischen Sechser und Zehner. Er läuft am meisten, hilft in der Abwehr und taucht im gegnerischen Strafraum auf. Wer ihn beschreiben will, sagt meistens: ein Spieler, der alles macht.
Zehner. Der offensive Mittelfeldspieler, der Spielmacher. Er sucht den Raum zwischen gegnerischem Mittelfeld und Abwehr, bekommt dort den Ball und spielt den letzten Pass. Zinedine Zidane war ein typischer Zehner.
Die Nummer musst du dafür nicht tragen. Ein Achter kann die 22 haben, ein Sechser die 14. Gemeint ist die Aufgabe.
Angriff: Flügel und Mittelstürmer
Flügelspieler. Sie spielen breit und gehen ins Eins gegen Eins. Der klassische Flügel lief bis zur Grundlinie und flankte. Der moderne spielt oft auf der falschen Seite, etwa ein Linksfuß rechts, und zieht nach innen zum Schuss.
Mittelstürmer. Die Neun. Er schließt ab, behauptet Bälle mit dem Rücken zum Tor und bindet die Innenverteidiger. Es ist die stabilste Nummer des ganzen Systems: Fast überall auf der Welt ist die 9 ein Mittelstürmer geblieben.
Spielt ein zweiter Stürmer eine Linie dahinter, nennt man ihn gern hängende Spitze. Sie liegt zwischen Zehner und Neuner.
Woher kommen die Nummern?
Aus einem System, das niemand mehr spielt: dem 2-3-5, der "schottischen Furche".
Rückennummern kamen im deutschen Fußball zur Saison 1948/49. Der 1. FC Nürnberg verzichtete zunächst darauf und führte sie erst 1951 ein. Nummeriert wurde von hinten nach vorn:
- Torwart: 1
- Zwei Verteidiger: 2 und 3
- Drei Läufer: 4, 5 und 6
- Fünf Stürmer: 7 bis 11
Danach änderten sich die Systeme, die Nummern nicht. Deutschland wurde 1954 mit dem WM-System Weltmeister, bei dem zwei Halbstürmer und der Mittelläufer zurückgezogen wurden. Aus den Läufern wurden Mittelfeldspieler, die Sechs rückte vor die Abwehr, die Zehn hinter den Mittelstürmer. Die Positionen sind heute andere. Ihre Namen stammen von damals.
Das Band zwischen Nummer und Position riss in der Bundesliga zur Saison 1995/96. Bis dahin liefen die Startelf-Spieler in jedem Spiel mit den Nummern 1 bis 11 nach Position auf, also der Torwart mit der 1, der rechte Verteidiger mit der 2, der Vorstopper mit der 4. Von 1995 an durfte sich jeder Profi seine Nummer selbst aussuchen, wenn er schnell genug war oder lange genug im Verein. In Leverkusen etwa trug der neue Stammtorwart Dirk Heinen die 23, während die 1 bei Rüdiger Vollborn blieb.
Und im Kleinfeld?
Auf dem Kleinfeld schrumpft das System. Bei 6+1 bleiben ein Torwart und sechs Feldspieler, und aus vier Reihen werden meist drei: hinten, Mitte, vorn. Beispiele für 5+1, 6+1 und 7+1 findest du im Artikel zur Kleinfeld-Aufstellung.
Weniger Spieler bedeuten, dass jeder mehr Aufgaben hat. Der Sechser im Kleinfeld ist oft zugleich Achter. Bei wechselnder Besetzung hilft diese Anleitung für Amateurteams. Und wenn die Gruppe wieder diskutiert, wer wo spielt, zeichnest du die Aufstellung fürs Kleinfeld einfach vorher und schickst sie in den Chat.
Welche Position passt zu dir?
- Du liest das Spiel und antizipierst: Innenverteidiger oder Sechser.
- Du hast Ausdauer: Außenverteidiger oder Achter.
- Du bist der beste Passgeber: Zehner.
- Du lebst von Toren: Mittelstürmer.
- Niemand will ins Tor: Du bist dran.
Für den Einstieg eignen sich Außenverteidiger und Achter am besten. Der Außenverteidiger hat eine Seite und eine klare Aufgabe, der Achter kommt häufiger an den Ball als fast jeder andere, und wer oft am Ball ist, wird schneller besser.
Wie diese Positionen in ganzen Systemen zusammenspielen, zeigt am besten ein Blick in die Aufstellung selbst. Zeichne sie einmal und du merkst sofort, ob dein Team zwei Zehner hat und keinen Sechser.


